Mein Dankbarkeitsspaziergang

Am Silvestermorgen hatte ich das Bedürfnis mein Jahr irgendwie nochmal Revue passieren zu lassen. Ich muss dazu sagen, ich bin kein sonderlich großer Silvesterfan und nehme mir da nichts Besonderes vor. Am liebsten verbringe ich es mit den Menschen, mit denen ich auch sonst im Jahr gerne zusammen bin und mache das, was wir sonst auch zusammen machen. Ratschen, lecker essen und dabei das eine oder andere Glas Wein trinken. Ich halte wenig von Neujahrsvorsätzen, weil ich am liebsten gleich damit anfange, wenn ich etwas ändern möchte. Und die typischen Traditionen wie Jahreshoroskope und Bleigießen machen mir in lustiger Runde immer großen Spaß, aber ich bin zu eigensinnig und ungeduldig um mich auf das Schicksal zu verlassen.


Dieses Jahr war Silvester im gewohnten und entspannten Kreis nicht drin und stattdessen habe ich genau das bekommen, was ich mir ja eigentlich immer wünsche: einen ganz gemütlichen Abend ohne Spektakel und Tamtam. Einen wirklich gewöhnlichen Abend mit meinem Partner und unseren Hunden... ohne Freunde... ohne die anderen Menschen, die mir wichtig sind. Die, die mir dieses Jahr zur Seite standen, mit denen ich gelacht und geweint habe und die ich auch im Jahr 2021 weiterhin an meiner Seite haben möchte. Und da wurde mir klar, dass auch wenn ich keine große Sache aus dem Jahreswechsel mache, das vergangene Jahr und all die Menschen und Momente, die darin eine Rolle gespielt haben meine Würdigung und Dankbarkeit verdienen. Sicherlich hatte auch die besondere Natur des Jahres eine Rolle gespielt. Meine Familie und ich sind bisher weitgehend gut durch die Krise gekommen und das löst eine gewisse Demut in mir aus.


Mein erster Impuls war mich in Ruhe hinzusetzen und alles aufzuschreiben was in diesem Jahr passiert ist und für was und wen ich dankbar bin. Weil das zu zweit irgendwie mehr Spaß macht und ich dann kreativer werde, habe ich meinen Partner dazu eingeladen. Wir wollten gerade zu einem Spaziergang mit unseren Hunden los und haben dann einen Dankbarkeitsspaziergang daraus gemacht. Jeder von uns hat abwechselnd eine Sache berichtet, die ihm dieses Jahr Freude bereitet hat oder für die er dankbar ist. Am Anfang kamen die klassischen Themen, wie Familie und Gesundheit auf den Tisch, aber mit der Zeit sind uns immer mehr und weniger offensichtliche Dinge eingefallen. Ehe wir uns versehen haben, haben wir eine dreiviertel Stunde in schönen Erinnerungen geschwelgt und standen wieder vor unserer Haustüre. Wir sind gar nicht dazu gekommen über unsere Wünsche und Hoffnungen für das nächste Jahr zu besprechen. Das war dann Thema des Nachmittagsspaziergangs ;)


So ein Dankbarkeitsspaziergang ist eine schöne Sache - egal ob alleine oder zu zweit. Die Frage was uns glücklich macht und was ein gutes Lebens ausmacht beschäftigte schon antike Philosophen und heute zahlreiche Wissenschaftler. Und auch wenn es hier zahlreiche Ansätze und Meinungen gibt, steht Dankbarkeit und die Fokussierung auf "Gutes" und "Hilfreiches" hoch im Trend. Martin Seligman, der Begründer der positiven Psychologie, hat im Laufe seiner Forschungslaufbahn viele Aspekte des Glücks und später des persönlichen Wohlbefindens untersucht. Dankbarkeit hält er für ein wirkungsvolles Instrument, um das Wohlbefinden positiv zu beeinflussen. Die Richtung der Aufmerksamkeit auf das, wofür wir dankbar sind beschert uns nicht nur positive Gefühle wie Freude über die schönen Erinnerung, sondern führt uns oft auch die Verbundenheit zu Anderen, die Erreichung eigener Ziele und unser eigenes Engagement vor Augen. Probiert es doch einfach mal aus!


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