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Was ist der Sinn deines Lebens?

Ziemlich große Frage, oder? Ich wundere mich schon seit langem darüber was das Leben so lebenswert macht. Die Suche nach dem Glück? Die Suche nach dem Sinn des Lebens? Ist das das Gleiche oder etwas Grundverschiedenes?


Als ich vor zwei Jahren den Jakobsweg gepilgert bin, habe ich viele Gespräche mit vielen unterschiedlichen wie wundervollen Menschen über die großen Fragen des Lebens geführt. Was bedeutet Glück? Glaubst du an Gott? Was ist der Sinn des Lebens? Ein Gespräch hat mich auf eine Idee gebracht, die meine Sicht auf den Sinn des Lebens nachhaltig verändert hat. Was wenn es DEN Sinn des Lebens so nicht gibt? Hört sich erstmal trist an, eröffnet aber völlig neue Möglichkeiten. Wenn es den Sinn des Lebens nicht gibt, steht es uns dann nicht frei einen Sinn für unser Leben zu wählen? Können wir dann endlich aufhören auf den göttlichen Hinweis zu warten, was wir mit unserem Leben anfangen sollen und es stattdessen nach unseren eigenen Wünschen gestalten? Sicherlich... diese Möglichkeit bringt auch viel Verantwortung mit sich. Denn wenn wir uns aufmachen unserem Leben einen ganz eigenen Sinn zu geben und daran scheitern, können wir keinem Anderen die Schuld dafür geben. Im Vergleich scheint es deutlich bequemer auf ein Zeichen zu warten. Im Moment sicherlich einfacher, doch langfristig wahrscheinlich wenig erfüllend. Ich denke, darauf zu hoffen, dass sich der Sinn des Lebens offenbart ist ein recht sicherer Weg ihn nicht zu finden.


Ihn zu definieren ist ja aber auch nicht so einfach. Der Sinn des Lebens bringt ja schon eine gewisse Tragweite mit sich. Im Prinzip bedeutet es sich auf etwas festzulegen, dem man sein Leben widmen möchte. Ich habe die Woche gerade erst beim Online-Shopping von Wintermänteln resigniert, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte. Zu groß ist die Auswahl an Möglichkeiten. Wie soll ich mich da für einen Zweck meiner Existenz entscheiden? Vielleicht wäre es doch besser auf ein Zeichen zu warten und es dem Schicksal zu überlassen?


Wer jedoch "Das Café am Rande der Welt" von John Strelecky gelesen hat weiß, dass man nicht mehr anders kann als eine Antwort zu suchen, wenn man sich einmal ernsthaft gefragt hat "Warum bin ich hier?". Vielleicht ist es nicht so einfach. Vielleicht kommt die Antwort nicht durch zehn Minuten Meditation oder sechs Wochen in sich lauschen auf einer Pilgerreise. Vielleicht ist die Suche nach einer Antwort auch nur eine aktive Bewältigungsstrategie um Beliebigkeit auszuhalten.


Schaut man sich die Logotherapie an, scheint die Sinnfrage jedoch ganz elementar dafür zu sein, was wir in der Lage sind auszuhalten und welche Energie wir mobilisieren können. Auch nach Adler ist der Beitrag zu etwas größerem als dem eigenen Leben ein Grundpfeiler eines erfüllten Lebens. Letztendlich brauchen wir einen Sinn, etwas wofür es sich lohnt die Unwegsamkeiten des Lebens in Kauf zu nehmen.


Und da wir uns den Sinn unseres Lebens selbst erschaffen können, können wir auch entscheiden wie leicht oder schwer er zu erreichen sein darf. Vielleicht fächert sich die Frage nach dem Sinn des Lebens in die drei Fragen auf:

Wer möchte ich für mich alleine sein?

Wer möchte ich für die wichtigen Menschen in meinem Leben sein?

Und welchen Einfluss möchte ich auf meine Umwelt nehmen?


Auf dem Jakobsweg habe ich in einem guten Gespräch zuweilen die folgende Frage gestellt: Wenn du dir deinen 80. Geburtstag vorstellst, wer feiert mit dir und was sagen sagen sie in ihren Toasts auf dich über dein Leben? Die Antworten waren überraschend und vielfältig. Keine glich der Anderen. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Sinn des Lebens etwas ganz individuelles ist. Wie sieht dein 80. Geburtstag aus?





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